Es ist schon ein paar Jahre her. Dezember 2021. Das zweite Weihnachten in Corona. Kein Weihnachtsmarkt, keine Menschenmengen. In einem kleinen Innenhof in Regensburg wärmen Holzöfen ein paar Menschen an Stehtischen. Am Getränkeausschank schaue ich auf die Karte: Glühwein. Glühwein mit Schuss. Kinderpunsch.
Und plötzlich passiert etwas Merkwürdiges. Ich denke an den Verkehrt-herum-Tag aus meiner Kindheit. An diese Tage, an denen alles erlaubt war. Frühstück zum Abendessen. Kleidung falsch herum tragen. Einfach etwas tun, ohne es erklären zu müssen. Es war nie wirklich wichtig, was man tat – wichtig war nur, dass man es tat.
Ich glaube, an diesen Tagen lernen wir etwas, das wir später wieder verlieren: Kreativität. Kinder haben sie ganz selbstverständlich, bis ihnen irgendwann gesagt wird, dass Mathe wichtiger ist als Musik. Ordnung wichtiger als Malen. Und dann werden langsam die kreativen Ausbrüche weniger.
Und Jahre später reicht der Anblick von Lichterketten, und der Geruch von Tannenbaum und frischen Plätzchen, um uns zurück in unsere Kindheit zu bringen. In eine Zeit, in der Weihnachten einen Zauber in sich trug. In der die Welt nicht logisch, strukturiert oder vernünftig war.
Die Verkäuferin am Ausschank schaut mich fragend an. Ich lächle und sage: „Einen Kinderpunsch mit Schuss, bitte.“
